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Warum solltest du dich in einem Konflikt, der ohnehin schon Zeit, Nerven und Energie raubt nun auch noch mit Selbstreflexion befassen? Selbstreflexion kann ein entscheidender Schritt in Richtung eines konstruktiveren Debattenverlaufs sein. Sich des eigenen Verhaltens sowie der damit verbundenen Emotionen, Gedanken und Interpretationen bewusst zu werden, kann dazu beitragen, das Konfliktgeschehen aktiv zu gestalten, statt impulsiv zu handeln und zu reagieren. Dies ist für alle Beteiligten eine enorme Erleichterung und erhöht die Chancen, konstruktive und einvernehmliche Lösungen zu entwickeln. Es kann außerdem helfen Dinge klarer zu sehen, die du und andere Konfliktbeteiligte gar nicht allein lösen können, weil sie zum Beispiel rechtliche Regelungen oder institutionelle Strukturen betreffen oder andere Personen mit einbezogen werden müssen.
Hier schlagen wir dir einige Methoden vor, die dir bei der Selbstreflexion und der Analyse eines Konflikts helfen können. Alle hier vorgestellten Methoden sind nicht im Rahmen des Projekts entstanden, sondern sind von anderen Personen(gruppen) z.B. aus Organisationsentwicklung, Mediation oder ähnlichen Arbeitsfeldern entwickelt worden. Wir haben sie ausgewählt, weil sie im Umgang mit Waldkonflikten passend sein können. Wir haben sie an Waldkonflikte angepasst und alle mit an Waldkonflikten beteiligten Personengruppen getestet.
Debattentiere stellen eine Form der Metaphernarbeit dar. Indem man sich vorstellt, welches Tier man – mit all seinen positiven und negativen Eigenschaften – in einem Konflikt wohl wäre, können das eigene Verhalten, Ressourcen und Bedürfnisse in einem Konflikt auf humorvolle Weise reflektiert werden. Dahinter steckt, dass Bilder andere Reflexionen und Prozesse anstoßen können als Worte.
Die Übung eignet sich für die Selbstreflexion allein oder für den Austausch in einer Gruppe, z. B. mit Kolleg:innen und Mitstreiter:innen. Auch für eine gemischte Gruppe von Personen, die miteinander in Konflikt stehen könnte die Übung genutzt werden. Das sollte aber individuell entschieden werden, z.B. je nach Konflikteskalation, Gruppengröße und Diversität der Positionen.
Ein respektvoller Umgang miteinander ist dabei immer ein Muss und es sollten keine Bewertungen der anderen erfolgen! Dabei darf der Austausch durchaus von Humor und geprägt sein.
Für das Ausdenken und Zeichnen der Teilnehmer:innen solltest du 5-10 Minuten einplanen. Falls ihr euch danach in einer Gruppe austauschen wollt, hängt der Zeitbedarf von der Gruppengröße und der Detailtiefe ab.
Stelle dir eine Konfliktsituation vor: wenn du in dieser Situation ein Tier wärst, welches wäre es?
Zeichne es gerne auf oder suche dir ein Foto heraus. Nun denke bitte darüber nach, warum du dieses Tier gewählt hast, vielleicht helfen dir dabei die folgenden Fragen:
Welche typischen Verhaltensweisen legt dieses Tier an den Tag?
Welche besonderen Fähigkeiten hat es und wie könnten sich diese positive auf die Lösung des Konfliktes auswirken?
Welche problematischen Eigenschaften bringt dieses Tier mit sich und welche negativen Auswirkungen könnte dies auf den Konfliktverlauf haben?
Was würde dem Tier gut tun? Und auf welche Weise könnte es sich noch einbringen, um die Debatten konstruktiver zu machen?
Hier ist ein Beispiel für ein Debattentier. Das Chamäleon wurde ausgesucht, weil es (mit seinen rollenden Augen) die Dinge vielfach und aus mehreren Perspektiven betrachtet. Es passt sich seiner Umgebung an. Hier im Sinne von: die Situation betrachten, die Perspektiven und Bedarfe der anderen zu identifizieren bzw. nachzuvollziehen zu versuchen. Die Herausforderung für das Chamäleon ist dabei: Manchmal muss es (in Konflikten und anderen Situation) vielleicht hier und da auch mal mehr die „eigene Farbe bekennen“?!
In dieser Übung geht‘s, wie der Name schon vermuten lässt, darum, sich zu vergegenwärtigen: Was triggert mich denn? Also an welchen Punkten „platzt mir die Hutschnur“?
Mit Triggerpunkten meinen wir sowohl Umstände, Dinge oder Verhaltensweisen, die bei dir besondere Antipathie oder negative Emotionen auslösen.
Sich dieser bewusst zu werden, kann helfen, in Diskussionen frühzeitig zu erkennen, wann die eigene emotionale Betroffenheit dazu führt, dass die Sachebene verlassen wird. Bitte mach dir klar, worauf du besonders allergisch reagierst und behalte das während der Konfliktlösung im Auge. Dies ist bedeutend, um nicht zu harsch zu reagieren, sondern ruhig äußern zu können, dass dieser Punkt für dich besonders schmerzhaft ist.
Diese Methode kann sowohl allein als auch in Gruppen angewendet werden. Triggerpunkte miteinander zu teilen und zu vergleichen kann beitragen andere Personen besser zu verstehen und diese im Gespräch zu berücksichtigen.
Je nachdem für welchen Ablauf du dich entscheidest, bedarf die Methode unterschiedlich viel Zeit. Du solltest mindestens 10 Minuten einplanen, z. B. wenn du allein arbeiten willst.
Es kann sowohl mit einer vorbereiteten Liste (typische oder erwartbare Triggerpunkte) gearbeitet werden, mit einer freien Sammlung oder auch einer Kombination aus beidem. Vor allem, wenn du mit einer Gruppe arbeiten möchtest, bietet es sich an, typische oder erwartbare Triggerpunkte in einer Liste zu sammeln, die z.B. von allen Teilnehmenden bepunktet werden kann. Wenn du mit Listen arbeiten willst kann das den Teilnehmenden erleichtern, sich in das Thema einzufinden. Andererseits kann es natürlich auch einschränkend sein, wenn die Teilnehmenden dann weniger kreativ werden müssen, was ihre individuellen Trigger sind. In Gruppen können beispielsweise auch die Triggerpunkte gesammelt, und so Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdeckt werden. Das kann dazu beitragen andere Personen besser zu verstehen und deren Triggerpunkte zu berücksichtigen.
Mögliche Leitfragen für die Auswahl der Triggerpunkte sind:
Was bringt mich in diesem Konflikt auf die Palme?
Welcher Umstand stört mich besonders?
Worüber kann/will ich auf keinen Fall reden?
Wenn jemand mich wie folgt behandelt, reagiere ich „allergisch“?
Interesse geweckt?: Interaktive Übung zu den Triggerpunkten
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Schminken Sie sich ab, dass Sie Emotionen aus dem Konflikt heraushalten können. Gehen Sie rücksichtsvoll und pfleglich miteinander um.
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Was unsere Sinne wahrnehmen beeinflusst, wie wir die Daten/Dinge/Situationen interpretieren. Dies löst bestimmte Gefühle aus (auch körperliche), denn Gefühle entstehen durch unsere Interpretation des Wahrgenommenen. Darauf basiert, welche Absichten, Wünsche oder Ziele wir an uns selbst oder an andere haben und wie wir daraufhin handeln oder handeln werden
Mit Hilfe des Bewusstheitsrads kannst du die bisherige Kommunikation sowie die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Konfliktgeschehen reflektieren und daraus konkrete Absichten und Handlungsschritte entwickeln.
Hier geht‘s nun also um Selbstreflexion. Es geht darum, dir das eigene Handeln und auch die eigenen Emotionen in bestimmten Situationen an einem Beispiel bewusst zu machen. Gehe dann schlussendlich einen Schritt weiter und überlege dir: Welche anderen Möglichkeiten hättest du denn noch gehabt, zu handeln? Wie würdest du gerne in Zukunft in einer ähnlichen Situation reagieren oder besser: agieren?
Insgesamt geht es also darum, sich den Zusammenhang zwischen einer Situation, dem (eigenen) Verhalten und den Emotionen bewusst zu machen. Das hilft, sich in zukünftigen schwierigen Situationen zurechtzufinden und das eigene Agieren bewusster zu gestalten.
Wenn du noch mehr zu der Methode nachlesen möchtest, empfehlen wir diese Angebote:
https://drdansiegel.com/wheel-of-awareness/
https://actpraxis.de/wp-content/uploads/2017/06/Rad-der-Achtsamkeit.pdf
Das Bewusstheitsrad ist für die Arbeit allein gedacht. Es kann aber als Stillarbeit in einer Gruppe integriert werden. Die Gruppe könnte danach gemeinsam reflektieren, ob sie die Methode hilfreich fand.
Der Zeitaufwand ergibt sich aus der gewünschten Tiefe der Reflexion. Es kann Sinn machen sich die Schritte des Bewusstheitsrades im (Arbeits-)Alltag immer wieder kurz zu vergegenwärtigen. Auch eine schriftliche Reflexion kann hilfreich sein. Für die Methoden solltest du etwa 15 Minuten einplanen. Sie kann aber je nach Bedarf auch verlängert werden.
Begonnen wird mit dem Schritt „Daten sinnlich wahrnehmen“. Dabei soll eine konkrete Situation möglichst objektiv und neutral – das heißt ohne Wertungen – beschrieben werden. Dafür kann es hilfreich sein sich vorzustellen, was eine Kamera vielleicht eingefangen hätte: Was wäre zu hören und zu sehen gewesen?
Im nächsten Schritt („Urteile bilden, Denken“) geht es darum, das Geschehene zu interpretieren. Zunächst einmal, indem man sich die eigenen Gedanken, Interpretationen und Assoziationen bewusst macht. Denn unsere eigenen Interpretationen und Bewertungen tragen mit dazu bei, wie wir uns in einer bestimmten Situation fühlen. Wie also lege ich die Situation persönlich aus?
Im Schritt „Fühlen, Empfinden“ werden die eigenen Gefühle reflektiert. Vielleicht waren da Verunsicherung, Ärger, Trauer, Scham oder Freude? Wie habe ich mich in dieser Situation gefühlt?
Danach werden auf Basis dieser Reflexion die daraus resultierenden eigenen Absichten und Handlungen bewusst gemacht und gegebenenfalls durch neue ersetzen oder ergänzt. Welche Absichten und Handlungen gingen aus meinen Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühlen? Wann habe ich womöglich zu einer weiteren Eskalation des Konfliktes beigetragen? Was möchte ich stattdessen tun? Welche Absichten, Wünsche und Ziele möchte ich fortan verfolgen?
Abschließend können konkrete nächste Schritte formuliert werden, wie man in der Situation weiter vorgehen möchte.
Die hier vorgeschlagene Methode ist eine von uns erprobte Kombination des „Soziogramms“ und „PUMA“. Die Soziometrie wurde von dem Soziologen und Psychiater Jacob Levy Moreno entwickelt, um Beziehungen zwischen Mitgliedern einer Gruppe sichtbar zu machen und zu reflektieren. Das Soziogramm dient dazu, diese graphisch darzustellen und ist ein wichtiges Tool der systemischen Organisationsentwicklung. PUMA – die Projektumfeldanalyse – erweitert den Blick auf weitere Faktoren des Umfelds, die auf das Geschehen einwirken. Sie wird ebenfalls in der Organisationsentwicklung angewandt, um Chancen und Herausforderungen verschiedener Prozesse und Projekte zu analysieren. Das Soziogramm macht insbesondere Akteur:innen und ihre Beziehungen zueinander sichtbar.
Die Kombination verbindet beide Perspektiven und stellt Akteur:innen, Beziehungen und relevante Einflussfaktoren in einer gemeinsamen visuellen Darstellung dar. Beide lassen sich jedoch ebenso gut und sinnvoll auf waldbezogene Konflikte anwenden! Bei der PUMA werden neben den Beziehungsgeflechten weitere Faktoren einbezogen, die eine Situation – hier einen Konflikt – beeinflussen. Die Kombination aus beiden dient damit der Vergegenwärtigung einer bestimmten Situation mit Hilfe visueller Darstellungen.
Vorsicht vor zu viel Perfektionismus! Soziogramm und PUMA sind keine Darstellungen der Wirklichkeit! Sie bieten eine Momentaufnahme und ihre Inhalte unterliegen den Wahrnehmungen und Interpretationen derjenigen, die sie erarbeitet haben!
Soziogramm und PUMA machen Verborgenes und Unausgesprochenes sichtbar!
Gerade wenn es um die Qualität und Beschaffenheit von Beziehungen geht, kann dies vieles auslösen. Bitte gehe daher mit Sensibilität und Rücksicht auf alle Beteiligten vor. Insbesondere wenn diese in den visuellen Darstellungen auftauchen!
Diese Sichtbarmachung kann damit auch neue Konflikte auslösen und Dinge festschreiben. Sei dir dessen im Verlauf des Prozesses bewusst und behandle das Erarbeitete streng vertraulich!
Trotz der genannten Fallstricke kann die hier vorgestellte Methode sehr hilfreich sein. Mit ihr kannst du eskalierende und deeskalierende Faktoren eines Konfliktes sowie mögliche erste Schritte hin zu einer konstruktiveren Debatte identifizieren.
Die Methode kann sowohl allein, als auch in der Gruppe angewendet werden. Wenn du das Gefühl hast, dass diese Methode dich und dein Team/deine Gruppe aus oben genannten Gründen überfordern könnte, verzichte auf diese Methode oder führe sie für dich alleine als Selbstreflexion durch.
Der Zeitbedarf ist bei der Methode höher als bei den anderen hier vorgestellten. Du solltest 30-60 Minuten einplanen, wenn du alleine arbeiten willst. Je mehr Personen ihr seid und je mehr Details ihr aufnehmen wollt, desto länger kann es dauern.
Soziogramm/PUMA kann digital oder analog erstellt werden. Es kann mit vorgefertigten (ggf. gedruckten) Symbolen gearbeitet oder selbst gemalt werden.
Natürlich muss kein Kunstwerk entstehen, eine abstrakte Darstellung in Form von Strichfiguren und einfachen Symbolen reicht aus. Ausgedruckte Formen, Figuren und Symbole haben den Vorteil, dass sie im Vergleich zu Zeichnungen beliebig verschoben und neu angeordnet werden können, benötigen jedoch mehr Vorbereitungszeit und lassen weniger Raum für spontane Zeichnungen.
Im Folgenden beschreiben wir einen möglichen Ablauf für eine Gruppe:
Zuerst sollte festgelegt werden, welche beteiligten Akteur:innen im Soziogramm/PUMA auftauchen sollen, die für den Konflikt eine Rolle spielen. Sucht euch eine Darstellungsweise für diese Personen aus. Beginne diese anzuordnen während die Gruppe sich hierüber miteinander austauscht. Ihr müsst euch nicht von Beginn an auf eine finale Figurenkonstellation einigen – diese Methode ist iterativ und die Darstellung der Beziehungen darf sich verändern bis ihr das Gefühl habt, dass sich ein stimmiges Bild ergeben hat. Stellt die Verbindungen zwischen den Personen visuell dar, beispielsweise folgendermaßen:
durch dicke Linien (enge Beziehungen), gestrichelte Linien (lose Beziehungen), unidirektionale Pfeile (für einseitige Kommunikation), mehrdirektionale Pfeile (für gegenseitigen Austausch) und andere Symbole, die die Qualität der Beziehung beschreiben (beispielsweise Blitze für Konflikte oder Herzen für einen konstruktiven Austausch). Hier sind keine Grenzen gesetzt und ihr seid die Expert:innen für euren Prozess. Wichtig ist nur, dass die Darstellung respektvoll und von einer wertschätzenden Grundhaltung geprägt sind.
Ergänzt die Beziehungen zwischen den Konfliktbeteiligten um weitere Einflussfaktoren. Hier ein paar Vorschläge, die ihr beliebig erweitern könnt:
Auch hier gilt: Ihr seid die Expert:innen für diesen Prozess und könnt die Faktoren, die Eingang in das Soziogramm/PUMA finden sollen am besten bestimmen.
Wenn ihr findet, dass die Darstellung „fertig“ ist, könnt ihr euch gemeinsam noch Zeit nehmen und besprechen, was sie für euren Konflikt bedeutet. Hier sind ein paar Beispielfragen, über die ihr diskutieren könntet:
Angenommen, es sollten sich neue Ansätze für die Lösung des Konfliktes auftun, was müsste sich an dieser Konstellation verändern, damit dies möglich wird?
