Wer für eine Position eintritt oder Entscheidungen verantwortet, möchte kompetent und überzeugend auftreten. Zweifel oder Nichtwissen zu zeigen, fällt deshalb nicht immer leicht.
Besonders schwer kann das sein, wenn die eigene Expertise oder Rolle betroffen ist. Wer sich lange als kompetent und verantwortungsvoll erlebt hat, kann Zweifel am eigenen Wissen auch als Angriff auf das eigene Selbstverständnis erleben.
Dabei schauen wir mitunter stärker auf die Unsicherheit der anderen als auf die eigene. Vielleicht wissen wir selbst nicht genau, was richtig ist – sind aber überzeugt, es zumindest besser zu wissen als die Gegenseite.
Gerade deshalb ist es wichtig, Unsicherheit nicht mit genereller Unwissenheit oder mangelnder Kompetenz gleichzusetzen. Niemand kann alle Zusammenhänge überblicken. Es könnte helfen, offener darüber zu sprechen, was wir wissen – aber auch darüber, wo Wissen endet, wo wir Annahmen treffen und wo Zweifel bleiben. Dafür braucht es auch eine Fehlerkultur, in der Unsicherheit und mögliche Irrtümer ausgesprochen werden können, ohne sofort die eigene Glaubwürdigkeit zu gefährden.
Natürlich ist Offenheit in einem Konflikt nicht ohne Risiko. Wer Unsicherheiten oder eigene Fehler anspricht, macht sich damit auch angreifbar. Das gilt besonders, wenn andere Konfliktbeteiligte den eigenen Standpunkt bereits kritisch bewerten. Dann können solche Eingeständnisse Zweifel an der eigenen Glaubwürdigkeit oder Kompetenz verstärken.
Wenn sich an solch einer Dynamik etwas ändern soll, muss trotzdem jemand anfangen. Denn diese Offenheit kann anderen den gleichen Schritt erleichtern. Auch sie können dann eher Zweifel äußern oder Fehler eingestehen.
Wer Unsicherheit offenlegt, schafft außerdem Raum für andere Lösungen. Wenn nicht schon feststeht, dass nur ein Weg richtig sein kann, lassen sich Alternativen leichter prüfen und unterschiedliche Erfahrungen einbeziehen.